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Das Schweizer Stimmvolk hat sich entgegen der Empfehlung der Verbände für
Menschen mit Behinderung für
den neuen Finanzausgleich und damit für die Kantonalisierung des Heimwesens
entschieden.
Damit steht auch unsere Bildungsstätte vor einer ungewisseren Zukunft als
auch schon. Vorsorglicher Pessimismus scheint uns aber trotzdem nicht
angezeigt.
Der Kanton Thurgau hat sich gegenüber Menschen mit Behinderung noch nie
kleinlich gezeigt, weshalb wir der kantonalen Lösung zuversichtlich
entgegensehen.
Um- und Erweiterungsbauten
Die Bildungsstätte Sommeri steht mitten in einer intensiven, mehrstufigen
Erweiterungsphase. Sie hat die beiden
verflossenen Jahre geprägt. Nachdem
die Um- und
Erneuerungsbauten noch im vormaligen Vereinsjahr abgeschlossen werden
konnten, erfolgten im Berichtsjahr
die Einweihungen. Am 12. Mai 2004 wurde im Mietobjekt Egelmoos gefeiert, und
am 24. August 2004
diente die Cafeteria zur Einweihung der Um- und Erweiterungsbauten. Die
Erfahrungen, die man in der Zwischenzeit damit gemacht hat, sind durchwegs
positiv.
Auch die Bundes- und Kantonsbehörden, welche die
Bauten am 16. März 2005 inspizierten, waren voll des
Lobes. Als eigentliches Juwel hat sich das «Cafi Sommeri» entpuppt. Es ist
zu einem intensiven Treffpunkt
geworden. In einem vorher nie dagewesenen Ausmass
gelingt es nun, ungezwungen und in einer einladenden
Umgebung, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzuführen.
Die inzwischen vorliegende Bauabrechnung zeigt, dass
die Kostenabweichung nicht in der befürchteten Höhe
eingetreten ist. Mit 3.94 % über dem von der Mitgliederversammlung
genehmigten Kostenvoranschlag
hält
sich die Überschreitung angesichts der komplizierten
Umbauten im Rahmen.
Neue Bedürfnisse
Trotz diesem markanten Ausbau unserer Aktivitäten
zeichnen sich bereits neue Bedürfnisse ab. Die starke
Nachfrage nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und
die Tatsache, dass wir im Gärtnereibereich wegen Fehlens eines Gewächshauses
in dieser Sparte keine vollständige Anlehre anbieten können, veranlasste uns
zu einem
weiteren Ausbauschritt. Mit Unterstützung von Bund
und Kanton wurde das Projekt einer umfassenden Gärtnereisanierung,
inbegriffen die Erstellung eines Gewächshauses, erarbeitet. Dieses Geschäft
liegt der heutigen Mitgliederversammlung zum Entscheid vor.
Auch nach Auffassung des Kantons sollte damit unsere
Bildungsstätte ihre Wachstumsgrenze erreicht haben. Inzwischen ist unsere
Institution immerhin zu einem veritablen KMU mit 150 Behinderten, 135
Angestellten (94 Vollzeitstellen) und einem Umsatz von 11.6 Mio Franken
angewachsen.
Diese stürmische Entwicklung hat in der Finanzlage Spuren hinterlassen. Zum
zweiten Mal hintereinander wurden die Ausgaben zu zurückhaltend budgetiert.
Während das in der Rechnung 2003 ein massives Defizit zur Folge hatte,
präsentiert sich die Rechnung 2004 dank höherer Bundesbeiträge ausgeglichen.
Als Folge der Umstellung auf die Gegenwartsfinanzierung weisen wir sogar
wieder ein Eigenkapital von 2.2 Mio Franken aus.
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Auch wenn unsere Finanzlage als nach wie vor stabil bezeichnet werden kann,
müssen wir uns um ihre Konsolidierung bemühen.
Die Frage mag interessieren, warum diese Angebotserweiterungen
ausgerechnet in unserer Institution stattfinden. Die Bildungsstätte Sommeri
geniesst dank unserer Institutionsleitung sowohl in betriebswirtschaftlicher
wie in agogischer Hinsicht einen sehr guten Ruf.
Bund und Kanton wissen ihre Investitionen in professionellen Händen.
Ausdruck dieser Wertschätzung dürfte sein, dass Josef Amrein in die
Arbeitsgruppe berufen wurde, welche die Kantonalisierung des Heimwesens
vorzubereiten hat, die Fachkompetenz von Klaus Limberg wird allenthalben
abgerufen.
Einen besonderen Dank möchten wir in diesem Zusammenhang der Vereinigung
Cerebral Schweiz aussprechen, die die Bildungsstätte Sommeri bei den
Bauvorhaben mit 150 000.– Franken grosszügig unterstützt hat. Dieses Geld
floss in den Ausbau der Gruppe für Menschen mit Mehrfachbehinderung.
Agogik
Vor lauter Bauen und Expandieren wollen wir unser Kerngeschäft nicht
vergessen, nämlich die uns anvertrauten BewohnerInnen zu fördern und zu
betreuen. Zwei Themenkreise haben uns schwer-gewichtig beschäftigt.
Anleitung zur Selbstständigkeit: Es ist vor allem im Interesse der Menschen
mit Behinderung, ihre Selbstständigkeit zu erhöhen, damit sie sich noch
besser in einer rauher werdenden Umwelt zurechtfinden.
Unter den Sparanstrengungen der öffentlichen Hand erhöht sich aber auch
der wirtschaftliche Druck auf die Organisationen für Menschen mit
Behinderung. Mit der Erhöhung der Selbstständigkeit könnte der
Betreuungs-und damit auch der Personalaufwand optimiert werden. In diesem
Zusammenhang wurde ein in Holland bereits bewährtes Modell intensiv geprüft,
zur Einführung vorbereitet und im Wohnbereich bereits eingeführt. Wir warten
interessiert auf die Resultate.
Sexualität und Beziehungen: Die Tatsache, dass bei uns
nun schon seit Jahren Bewohner beiderlei Geschlechts
betreut werden, veranlasst uns zu einer vertieften Diskussion über dieses
Thema. Kontroverse Ansichten und das Fehlen von bewährten Konzepten, auf die
man sich abstützen könnte, machen die Suche nach einem solchen schwierig und
zeitaufwändig.
Dank
Die stürmische Entwicklung unserer Institution hat unserem Personal und den
BewohnerInnen viel an Geduld, gutem Willen und Flexibilität abverlangt. Die
Bereitschaft, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues zu wagen, war
beeindruckend. Die Bildungsstätte Sommeri präsentiert sich einmal mehr in
ausge-zeichneter Verfassung. Namens des Vorstands statte ich dafür allen
Beteiligten Dank ab. Ein weiterer Dank gilt auch allen Spendern die einen
Beitrag für die Bildungsstätte geleistet haben.
Ulrich Schmidli, Präsident
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